Wednesday, September 20, 2006

Substruktionen & Konstruktionen in Istanbul


Substruktion (lat. substructio: Unterbau) ist ein in der Archäologie üblicher Fachausdruck für die Unterbauten eines Gebäudes, einer Terrasse etc., z. B. für die oft gewaltigen Gewölbeabstützungen unter römischen Bauwerken
Substruction \Sub*struc"tion\, n. [L. substructio, fr. substruere, substructum, to build beneath; subunder + struere to build.] (Arch.) Underbuilding; the foundation, or any preliminary structure intended to raise the lower floor or basement of a building above the natural level of the ground.






Substruktionen aus römischer Zeit
Substructionwalls from roman times

Hippodrom / Hippodrome
Die Hügellage Konstantinopels führte bei einigen Bauwerken, wie z.B. dem Hippodrom und einigen Sakralbauten dazu, dass sie über Unterbauten errichtet werden mussten. Bögen aus gemauertem Ziegelstein eigneten sich besonders gut für solche Substruktionen.
Während der Herrschaft des Kaisers Septimus Severus wurde im Jahr 203 n.Chr. die grosse Wettkampfarena mit mächtigen Zuschauerrängen erbaut, um dort Wagenrennen zu veranstalten. Unter Konstantin dem Grossen wurde die Anlage auf 400 m Länge und 120 m Breite ausgebaut. Zusammen mit dem Kaiserpalast bildete die Anlage das Zentrum der damaligen Stadt. In der heutigen Zeit kann man am südlichen Ende der alten Rennbahn noch die Mauerbögen, die sog. Sphendone sehen, die das Höhenniveau am Hang ausgleichen.
The rolling countryside of Constantinople required that some buildings like e.g. the Hippodrom and some sacred buildings had to be errected over substructions. Brickarches were suitable for such Substructions. During the reign of emperor Septimus Severus in the year 203 the arena was build with powerful spectator ranks, in order to organize horse races there. Constantin I. enlarged the arena on 400 m of length and 120 m of width. Together with the emperor palace the Hippodrome formed the center of the city at that time. In the today's time the brick arches, the socalled Sphendone are still visible at the southern end of the old course, which adjusts the level at the slope.

Hippodrom Süd-West Ansicht
Hippodrome view south-west

Hippodrom Hippodrome

Grundrissplan Hippodrom Südkurve
Plan substructions Hippodrome south curve
Schnitt durch Zuschauerränge des Hippodrom
Section through spectator ranks


Yerebatan Zisterne /
Yerebatan Cistern
Jahrhundertelang war die Wasserversorgung Istanbuls ein grosses Problem. Alle Herrscher haben immer wieder versucht, das Problem mit verschiedenen Mitteln und Bauvorhaben zu lösen. Während der Römerzeit kam das Trinkwasser aus weit entfernten Gegenden des Landes in die Stadt und wurde in den Zisternen unterirdisch gespeichert. Eine der grössten Zisternen Istanbuls ist die „Yerebatan Sarnici“, die Basilika Zisterne, erbaut im 6. Jh. unter Kaiser Justinian. Sie besitzt insgesamt 336 Steinsäulen, 12 Reihen mit je 28 Säulen. Die Länge beträgt 141m, 73m Breite und 8m Höhe. Das Fassungsvermögen beträgt 80.000 m³.
Im hinteren Teil des Bauwerkes befindet sich ein behauener Steinsockel in Form eines Medusenkopfes sowie eine „Wunschsäule“ mit tränenförmiger Oberfläche.
For many centuries, water supply of Istanbul was a big problem. All souvereigns tried again and again to solve the problem with different means and building projects. During the roman time, water came from areas far away of the country to the city and was stored in cisterns, stored underground. One of the largest cisterns of Istanbul is the "Yerebatan Sarnici", the basilika cistern, built in the 6th century during the reign of emperor Justinian. It has altogether 336 columns of stone, 12 rows with 28 columns each. The lengh amounts to 141m, 73m broad and 8m height. The capacity amounts to 80.000m³. In the rear part of the building, there is placed a stone base in form of head of Medusa as well as a "column of wishes" with a surface like teardrops.

Innenaufnahme Yerebatan Zisterne Interior view

Medusenkopf als Sockel
Head of Medusa



Wunschsäule Column of wishes


Grundriss plan



Theodosius Zisterne / Theodosius Cistern





korinthische Kapitelle corinthian capitals





Binbirdirek Zisterne / Binbirdirek Cistern




Binbirdirek Zisterne, 224 Säulen
56 x 66m, 325.000m³ Volumen
zweiteilige Säulen mit 15m Höhe
erbaut im 4. Jahrhundert

Binbirdirek Cistern, 224 columns
56 x 66m, 15m high
325.000m³ volume
built in 4th. Century


zweiteilige Säulen
partitioned columns


römische Ziegelbögen
roman brick arches


Ruine im Jahr 1965 Ruin in 1965


Isometrie Ionische Säulen
Isometrics of ionic columns


Laleli Moschee / Laleli Mosque
Die Moschee wurde von Architekt Mehmet Aga im Jahre 1763 unter der Herrschaft Mustafa III. erbaut. Als Unterbau dient eine Substruction.
The mosque was designed by architect Mehmet Aga in 1763 during the reign of Mustafa III. It is build on a substructure.






Die Galatabrücke / The Galata Bridge
Die Galata Brücke verbindet direkt am Beginn des Goldenen Horns die zwei Stadtteile Eminönü und Karaköy. Die heutige Stahlbeton-Konstruktion aus dem Jahr 1992, ist durch deutsch-türkische Zusammenarbeit entstanden.
Der stuttgarter Bauingenieur Prof. Fritz Leonhardt (1909-1999), entwarf die doppelstöckige Brücke mit vierspuriger Fahrbahn für den Autoverkehr.
Tagsüber ist das Bauwerk von unzähligen Anglern bevölkert, die am Geländer geduldig auf Fang hoffen. Nachdem die unter der Fahrbahn gelegenen Ladenflächen lange Jahre ungenutzt blieben, befinden sich seit 2002 im Unterbau der Konstruktion zahlreiche Fischrestaurants und Bars mit Blick aufs Wasser.
Im 19.Jhd. wuchsen die Vororte nördl. des goldenen Horns extrem schnell. Fähren und Ruderboote konnten das Verkehrsaufkommen nicht mehr bewältigen, und deshalb wurde die erste Brücke an dieser Stelle im Jahre 1845 errichtet. 1875 errichtete eine Britische Firma die erste Eisenbrücke. 1912 wurde diese durch eine Pontonbrücke der Firma MAN ersetzt, welche heute aber in Einzelteile zerlegt, flussaufwärts zu finden ist. Die hellblauen Elemente der doppelstöckigen Konstruktion liegen dort weitgehend ungenutzt im Wasser nahe des Fähranlegers von Balat.
The Galata bridge is located at the golden horn river and connects the two quarters Eminönü and Karaköy. The today's reinforced concrete construction from the year 1992, resulted from German-Turkish co-operation. The civil engineer Professor Fritz Leonhardt (1909-1999) from Stuttgart designed the double-decker bridge with a large roadway for the motor traffic.
During daytime the bridge is used by innumerable men as fishing platform.
In the lower level of the construction you find today many fish restaurants and bars with a nice view.
In the 19th century the suburbs grew extremely fast that ferryboats were not sufficient enough for the traffic and transport volume. Therefore the first Bridge was built in this place in 1845 under Sultan Mahmud II. A british company constructed an iron bridge in 1875. This one was replaced again through a new pontoon bridge built by MAN company with two levels in 1912. After eighty years this construction was taken apart and the blue elements you can find today a few kilometers away lying unused in the water close to Balat pier.


Alte Galatabrücke Old Galata Bridge, 1912

Alte Galatabrücke, gebaut 1912, Pontonbrücke mit zwei Etagen
Old Galatabridge, built in 1912, Pontonbridge two-storeyed


Neue Galatabrücke, gebaut 1992, doppelstöckig mit Cafés & Restaurants
New Galatabridge, built in 1992, two-storeyed with coffees & bars





Blog wird weiterhin ergänzt!


Ein Beitrag von Matthias Bender und Christian Seesemann, Architekturstudenten der TU-Darmstadt